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Die wahre Niveaulosigkeit

Von DS am 4. Oktober 2016

Die Kritik am Dresdner Protest ist arrogant.

Recht dünnhäutig zeigen sich Teile der Politik und der Medien in Bezug auf die Wutbürger, die beim zentralen Festakt zum 3. Oktober gestern in Dresden den anwesenden Politikern ihren Unmut bekundet haben. Nun ist »Merkel muss weg«, »Haut ab!« oder »Volksverräter!« sicher kein höflicher Ausdruck von Protest, demokratisch legitim ist er allemal. So reduziert sich der Empörungsanlaß hochgestellter Politik- und Medienvertreter gerade einmal auf eine Unbeholfenheit im Ausdruck. Dass nicht jedermann sich rhetorisch geschult und aalglatt ausdrücken kann, ist womöglich gerade für jene ein Problem, die üblicherweise in elitären Zirkeln gastieren, wo bereits ein leichtes Hüsteln oder ein schnippischer Augenaufschlag als Form äußerster Mißbilligung verstanden wird.

Das aber spricht nicht gegen die Wutbürger, sondern eher dafür, dass Teile des Establishments inzwischen weit abgehoben von den Verhältnissen einfacher Menschen leben. Den kurzen Abstecher zum Absperrgitter, das die Bürgerinnen und Bürger von den Großkopferten in Dresden trennte, hätte sich eine Claudia Roth (Grüne) daher auch sparen können, wenn sie dort dann lediglich in ihrer berüchtigten Hochmütigkeit – die leider oft mit Intellekt verwechselt wird – Publikumsverachtung demonstriert. Ja, aus dem Fond gepanzerter Dienstlimousinen, abgeschirmt durch einen BKA-Sicherheitskordon und alimentiert mit rund 20.000.- EUR Monatssalär sind die Perspektiven eben doch erheblich weiter entfernt voneinander als nur durch die Barriere eines Sicherheitsgitters.

Die Beschimpfung von ihren Unmut bekundenden Bürgerinnen und Bürgern als »Pöbel«, »Pack« und »Mischpoke« durch die Vertreter politischer und medialer Macht ist daher sehr viel niveauloser und demokratisch unanständiger als die von Sorge und Zorn bestimmte »Ungebührlichkeit«, mit der die Politiker in Dresden empfangen wurden.

Es kommentierte: Carmen Winkels

  1. semi

    4. Oktober 2016 at 16:28

    Ganz meine Meinung. Und die von Henryk M. Broder nebenbei erwähnt. Aber wir alle sind ja wohl inzwischen Pack und Pöbel,wenn wir nicht mit den Mächtigen sind. Oder wie CDU-General Tauber sagt: „Wer nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch“. Auch gut.

  2. riesenprinz

    4. Oktober 2016 at 17:50

    „Post von Wagner“ aus der BILD streichen, künftig „Post von Carmen“, bitte…!

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