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Vereintes Land – gespaltenes Volk

Von DS am 4. Oktober 2016

Bewegendes und Beschämendes am Tag der Deutschen Einheit.

KAARST (nmj) – Die Feierlichkeiten anläßlich des 3. Oktobers zeigten den großen Riss, der durch unser Land geht. Nicht nur in Dresden, auch in Kaarst: Während die Fraktionsvorsitzenden der bürgerlichen Parteien CDU, FDP und Zentrum dem Festakt ihre Aufwartung machten, glänzten die der Links- und Linksaußenparteien (SPD, Grüne, UWG, FWG, Linke) durch Abwesenheit. Auch das Publikum war in diesem Jahr nicht so zahlreich erschienen wie noch im vergangenen Jahr. Lag es am schaurigen Wetter – oder vielmehr an den schaurigen Begleitumständen, die viele davon abhielten, sich der Wiedervereinigung freudig zu erinnern?

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Dabei hatte der Bürgermeister der Partnerstadt La Madeleine, Monsieur Sébastien Lepretre, der ein Grußwort in einwandfreiem Deutsch an die Gäste richtete, eine Botschaft dabei, die dazu ermunterte, als einiges Volk einander zu begegnen; Frankreich und Deutschland sähen sich in vielerlei Hinsicht denselben Herausforderungen gegenüber. Er sprach seinen besonderen Dank aus für die Anteilnahme der Kaarster anläßlich der islamterroristischen Attacken, die das Nachbarland zuletzt getroffen hatten. Dem müsse man gemeinsam und einig widerstehen. Das Thema des zentralen Festvortrags von Anna von Arnim »Sind wir ein Volk?« löste dann auch eher Verwunderung aus bei den französischen Gästen.

Pressetext der Stadt Jaarst (Bild: screenshot www.kaarst.de)

Pressetext der Stadt Kaarst (Bild: screenshot www.kaarst.de)

Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus (CDU), die ihrem Amtskollegen in vortragsreifem Französisch für seine freundlichen Worte dankte, leitete anschließend über zum Vortrag »Flucht in die Freiheit« des Geschichte-Leistungskurses der beiden Gymnasien AEG und GBG. Die Schüler Muriel Fries, Nicolas John, Anna Spans, Philip Broich und Anna Willmann schilderten eindrucksvoll ihre Erlebnisse und Begegnungen auf ihrer Lehrreise in die dunklen Abgründe des »DDR«-Regimes, das seine Gegner entrechtete, einsperrte, folterte und ermordete. Viel zu viele scheinen heute, bei der Verniedlichung des Kommunismus und seiner Epigonen, zu vergessen, dass dieses rote Terrorregime mit über 100 Millionen Vernichtungsopfern zu den Schrecken der Menschheitsgeschichte gehört.

Etwas komprimiert dagegen erschien das Hauptreferat der Historikerin Anna von Arnim  von der Bundesstiftung für Aufarbeitung. Schon die Formulierung im Pressetext der Stadt Kaarst verwunderte: »Schwindet das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie angesichts von Pegida, AfD und Co. also besonders im Osten – oder handelt es sich um ein gesamtdeutsches Problem?«, lautete die Frage. Abgesehen davon, dass Pegida nicht gleich AfD ist, und dass das ominöse »und Co.« allenfalls Raum für Spekulationen ließ, hätte sich diese Frage doch schon sehr viel eher, in Anbetracht der über Jahre konstanten Wahlergebnisse für die SED-Ersatzorganisation stellen müssen. Gänzlich verworren wurde es, als die Referentin einen Bogen zu spannen versuchte von dem demokratischen Engagement der AfD hin zu den Aktivitäten der rechtsextremen NPD und ihrer Jugendabteilung. Ganz im Gegensatz zu dieser verkürzenden, ja diffamierenden Pauschalisierung stand dann der Appell, dass die Teilhabe und Einbeziehung aller das Gebot der Stunde sein solle. Wenn schon eine Verständigung darüber scheitert, was zur demokratischen Vielfalt gehört und was außerhalb angesiedelt ist – wie soll sich da der Geist der Kooperation entfalten können?

So hinterließ der Festakt zumindest bei dem Teil des Publikums, der nicht nur stumpf und starr dahockte und sich anschließendem Wein und Häppchen entgegenlangweilte, ein größeres Fragezeichen bezüglich des zunehmenden Auseinanderdriftens der Nation. Im Gegensatz zu den Feierlichkeiten in Dresden zeigten sich in Kaarst die Gegensätze nicht ganz so krass – aber auch hier ist unübersehbar, dass die Gräben tiefer geworden sind. Und auch wenn sich so mancher scheut, es geradeheraus zu formulieren: Es ist eher das linke Spektrum, das dem rechten die Daseinsberechtigung absprechen will und nur sich selbst als politisch legitim verortet. Wohin das am Ende führt, haben die Gymnasiasten von AEG und GBG eindrucksvoll in ihrem Referat vor Augen geführt. Vielleicht hätten einige der Linkspolitiker in unserer Stadt doch ganz gut daran getan, sich das anzuhören.

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Nachtrag 05.10.2016:

Die SPD legt Wert auf die Feststellung, dass sie beim Festakt durch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hildegard Kuhlmeier sowie die Ratsmitglieder Monika Hartings und Wolfgang Reuter vertreten war.

-Die Red.

  1. kaarster04

    6. Oktober 2016 at 11:20

    Guter Journalismus!Nicht dieses halbseidene Bla-Bla, aus dem sich jeder alles rauspicken kann.Wird nicht jedem gefallen,dass auch Journalisten eine Meinung haben wollen,aber davon sollte sich NMJ nicht beirren lassen.Danke!

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