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Kirche als politischer Klamaukraum

Von kr am 28. November 2016

Die ev. Auferstehungskirche in Kaarst wurde zum Schauplatz einer politisch fragwürdigen Indoktrination.

KAARST (nmj) – Wenn Hysterie ein politisches Ventil sucht, dann sind kirchlich Engagierte, verstärkt aus dem evangelischen Bereich, meist nicht fern. So konnte man dieser Tage auch zunächst den Eindruck gewinnen, man befände sich unter seelisch Wankelmütigen, als in dem Altarraum der ev. Auferstehungskirche in Kaarst eine Person mit exaltierter Lauthaftigkeit den wenigen Anwesenden eine bescheidene Kostprobe bescheidenen Schauspieltalents präsentierte, indem sie Stereotypen und Vorurteile über Flüchtlinge von sich gab, um anschließend ausbleibenden Protest und Aufschrei als mangelnde Zivilcourage anprangern zu können. So weit, so banal.

Ev. Auferstehungskirche Kaarst als Schauplatz von politisch Fragwürdigem (Bild: Ev. Kirche Kaarst)

Ev. Auferstehungskirche Kaarst als Schauplatz von politisch Fragwürdigem (Bild: Ev. Kirche Kaarst)

Die drei A-Faktoren Aufgeregtheit, Anklage und Anwendung von Vorurteilen (gegen die man doch eigentlich selbst Stellung beziehen will) treffen stets zusammen, wenn das eigene Helfersyndrom sich nicht mehr damit zufrieden gibt, selbst Engagement zu zeigen, sondern ergänzt wird um den missionarischen Eifer, bei anderen ein »Zuwenig« oder gar eine zu bekämpfende moralische Insuffizienz entdecken zu wollen. Dann genügen hektisch hingeworfene Schlagworte (»Stammtischparolen«, »Solidarität«, »Gerechtigkeit«, »Menschenwürde«), um das ganz große Faß der Wertedebatte zu eröffnen – mit sich selbst drinnen und mit allen anderen draußen.

Nichts weniger als das »reine Gewissen« war es daher auch, das den Teilnehmern von der workshop-Leiterin Karin Kettling für das »eigene Wohlbefinden« versprochen wurde, wie die NGZ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. Doch wo die eigene Position so massiv erhöht werden soll, dass das Gute per se entsteht, da ist es erforderlich, auch den Gegenpart zu identifizieren, andere zu dämonisieren, denn nur wo das Böse erfassbar wird, kann das Gute sichtbar werden. Nun stehen Gutmenschen häufiger vor dem Problem, dass – bis auf wenige Randerscheinungen – die breite Mehrheit der Gesellschaft aber nicht aus Dämonen besteht, dass sie Flüchtlingen den Schutz nicht versagen will und schon gar nicht irgendjemandem die Menschenwürde absprechen will.  Woher also die Teufel nehmen, wenn sie so zahlreich gar nicht vorhanden sind?

Hier behilft sich die linke Polit- und Kulturschickeria gerne mal mit dem Kniff der imaginären Feinderschaffung, die in Ermangelung echter Dämonen einfach die zu Aussätzigen macht, die dem Feindbild halt am nächsten kommen. Da wird dann Kritik in Hetze, Sorge in Vorurteil und Schweigen in Zustimmung umgedeutet. Auf diese Art gelingt es, eine beachtliche Größe der Gesellschaft auf die moralische Anklagebank zu setzen – und nebenbei das Erfordernis zu schaffen, mit workshops und anderen Maßnahmen gegen dieses, nun endlich vorhandene Problem mutig aufzutreten. Dass das am Ende nur funktioniert, wenn man ignorant genug ist, Menschen in ihren Ängsten und Nöten nicht ernst zu nehmen, sie gar als zurückgeblieben, als ethisch minderbemittelt herabzuwürdigen, ist ein Widerspruch, der im wahrsten Sinne des Wortes links liegengelassen wird.

Die erklärte Absicht der Seminaranbieter, »sachlich und ruhig die Parolenschwinger zu demaskieren« konnte unter diesen Umständen nur wie ein Steinwurf im Glashaus anmuten. Die intellektuelle Dürftigkeit der Veranstaltung wurde letztlich auch an einer Parole sichtbar, die den Teilnehmern am Ende in Zettelform an die Hand gegeben wurde. »Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen«, hieß es da, offenbar ein berüchtigtes, Joschka Fischer (Grüne) zugeschriebenes Zitat nicht kennend, das da lautet: »Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen«.

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