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Den Schlägern knapp entkommen

Von CO am 27. Juli 2014

Bei der ersten Box-Nacht der FFM Box Promotion am Samstag, 26.07. wurde es zu vorgerückter Stunde etwas ungemütlich. Unser Reporter war im Geschehen.

Holzbüttgen (nmj) – Die Polizeimeldung spricht von »leichten Verletzungen«, die ein Sportler und zwei Besucher davontrugen. Um ein Haar wären es mehr geworden, denn zeitweise gerieten völlig Unbeteiligte zwischen die Fronten. Was war geschehen? Nachdem der Kampfrichter einen Boxkampf abbrach, begann unter den Zuschauern in der ISA Inter-Sport-Arena in Holzbüttgen ein massiver Tumult. Augenzeugen berichten, dass die Kontrahenten mit enormer Wut aufeinander losgingen, dabei auch Stühle und andere Gegenstände einsetzten. Bei den normalen Gästen brach Unruhe aus und zahlreiche Anwesende verließen die Halle.

Blutige Tumulte in der ISA-Sportarena

Blutige Tumulte in der ISA-Sportarena

Als unser Reporter gegen 22.15 Uhr vor der ISA erscheint, strömen die Menschen bereits aus der Halle. Schockierend: Eine Zuschauerin kommt dem NMJ-Reporter mit bluttriefendem Gesicht entgegen! Offenbar ist sie geschlagen worden, irrt hilflos durch die Menge. Rettungssanitäter sind zu diesem Zeitpunkt noch keine anwesend.

Ein hohes Aggressionspotential bei den Besuchern

Ein hohes Aggressionspotential bei den Besuchern

Unser Reporter betritt die Empfangshalle. Im hinteren Bereich stehen sich offenbar zwei Pulks gegenüber, zwischen zwei Wortführern werden lautstarke Beschimpfungen und auch immer wieder Tätlichkeiten ausgetauscht. Die Lage ist unübersichtlich, ein Sicherheitsdienst ist nicht zu sehen oder anderweitig eingesetzt. Am rechten Eingangsbereich steht ein Mann und filmt mit einer Kamera. Unser Reporter gesellt sich dazu, will das Geschehen im Bild festhalten. DANN DIE ESKALATION: Auf einmal stürmen fünf bis sechs extrem wütende und brutal auftretende junge Männer auf den Kameramann zu. Unmittelbar in Tätlichkeiten übergehend, gehen sie ihn an: »Warum filmst Du hier?«, »Gib die Kamera her«, dann wird dem jungen Mann das Gerät aus der Hand gerissen, er selbst geschlagen. Der NMJ-Reporter erkennt: »Jetzt wird es ernst hier« und macht sich aus dem Staub, seinen Fotoapparat in der Westentasche verschwinden lassend. Doch wohin? Er flüchtet vor dem Gewaltmob in ein angrenzendes Büro, will nur weg von den Krawallmachern. Doch er sitzt in der Falle! Das Büro hat keinen Hinterausgang, nur Fenster, die offenstehen und auf den Hof führen. Unser Reporter blickt nach unten: Etwa vier bis fünf Meter müsste er sich nach unten stürzen, wenn die rasenden Berserker ihm nun auf den Fersen sind. Er wartet ein paar Sekunden, aber niemand erscheint. Dann fasst er den Entschluss, einen Ausbruchsversuch zu wagen. Als er den Empfangsbereich wieder betritt, ist der Tumult näher gerückt. Ein extrem aggressiver Kampfsporttyp brüllt keine drei Meter von dem Reporter entfernt wüste Drohungen gegen einen Kontrahenten aus, versucht, sich gewaltsam zu ihm durchzuschlagen, wird aber von Kumpanen zurückgehalten. Von dem Kameramann ist nichts mehr zu sehen.

Schreck für den NMJ-Reporter: Im Eingangsbereich kommt es zu Attacken auf Kameraleute...

Schreck für den NMJ-Reporter: Im Eingangsbereich kommt es zu Attacken auf Kameraleute…

 

...denen unser Reporter nur knapp entrinnt.

…denen unser Reporter nur knapp entrinnt.

DANN EINE NEUE SCHRECKSEKUNDE: Eine Stimme ruft lauthals: »Wo ist der andere?« und »Habt ihr die Kamera?« – Für den NMJ-Reporter ist klar: Er ist gemeint! Offensichtlich sind die Gewalttäter immer noch entschlossen, jede Berichterstattung über die Ereignisse mit brutalen Mitteln zu unterdrücken!

Die Einsatzkräfte rücken an

Die Einsatzkräfte rücken an…

...und versorgen die Verletzten.

…und versorgen die Verletzten.

Nun heisst es, die Beine in die Hand nehmen! Obwohl der Eingangsbereich überfüllt ist, gelingt es unserem Reporter, der Szenerie zu entkommen; um ihn herum gehen die aggressiven Tumulte weiter. Offenbar heißt es jetzt: Jeder gegen jeden.

In weiser Voraussicht hatte der NMJ-Reporter den Taxifahrer vor dem ISA-Eingang warten lassen. Zu ihm schlägt er sich jetzt durch, auf das Tohuwabohu rund um ihn herum nicht mehr achtend. Geschafft! Er klettert auf den Beifahrersitz und sagt dem verschreckt dreinblickenden Chauffeur: »Zu gefährlich hier, gib Gas!«

Den Schlägern knapp entkommen, kann unser Reporter das Gelände verlassen. Draußen lässt er sich absetzen. Mittlerweile sind einige Polizeiwagen eingetroffen. Doch die Beamten halten sich zurück, denn die Lage ist weiter unübersichtlich und weitere Verstärkung angefordert. Nach ein paar Minuten kommen immer mehr Einsatzwagen. Auch die Rettungskräfte können sich jetzt ihren Weg zu den Verletzten bahnen.

Immer mehr Polizei- und Rettungswagen treffen am Ort des Geschehens ein.

Immer mehr Polizei- und Rettungswagen treffen am Ort des Geschehens ein.

Die Lage entspannt sich. Der NMJ-Reporter trifft auf Kollegen von der NGZ und dem Stadt-Kurier. Er rät ihnen, mit dem Fotografieren vorsichtig zu sein, denn wie er erlebt hat, ist das nicht bei jedem gut angesehen. In sicherer Entfernung beobachten die Reporter das weitere Geschehen. Als der Einsatzleiter eintrifft, ist der verletzte Sportler bereits weg. Nur die Unbeteiligten werden noch vor Ort ärztlich behandelt.

Schließlich beruhigt sich die Lage: "Nur" 3 Verletzte sind am Ende zu beklagen.

Schließlich beruhigt sich die Lage: „Nur“ 3 Verletzte sind am Ende zu beklagen.

Ein Blick in die Menge zeigt eine überwiegende Anzahl von kampferprobt aussehenden und auch kampflustigen jungen Männern, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, testosteron- oder mit anderen Substanzen geladen, Kerle, die keinem Zoff aus dem Weg gehen, und mit denen man sich besser nicht anlegt. Wenn deren Gewaltpotential zum Ausbruch kommt, so ist der NMJ-Reporter sicher, würden all die Einsatzkräfte nicht reichen, Herr der Lage zu werden. Aber es bleibt ruhig. Die Reporter beschließen, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen.

Weiter drüben in Holzbüttgen zieht gerade der Fackelzug des Schützenregiments. Der Kulturbruch ist unübersehbar: Hier das geordnete und fröhliche Auftreten friedlicher Schützenbrüder, die zu den Klängen zünftiger Märsche ihre Tradition pflegen – und dort die rasende und aggressive Gewaltlatenz von Gesellschaftsstrukturen, die keine andere Ordnung außer die der Fäuste anerkennen. Der Zusammenprall beider Phänomene in dem beschaulichen Holzbüttgen: An diesem Abend wird in diesem kleinen Ort sichtbar, wie brüchig der zivile Friede sein kann.

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