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Von Futterneid und Provinzdarstellern

Von kr am 23. November 2016

In der AfD scheint eine Debatte darüber eingesetzt zu haben, wie man mit den ehemaligen Mitgliedern anderer Parteien umgeht, die zur AfD wollen.

MÜHLHAUSEN (nmj) – Zuletzt traf es Malte Kaufmann. Der promovierte Volkswirt aus Baden-Württemberg war noch im Oktober durch seinen TV-Auftritt bei Maybrit Illner überregional als Überläufer von der CDU (deren Bezirksvorstand Südbaden er angehörte) zur AfD bekannt geworden und wurde vom AfD-Bundesverband am nächsten Tag per Facebook-Posting als »zukünftiges Mitglied« willkommen geheißen. Doch am gestrigen Tage musste Kaufmann mitteilen, dass »der Ortsvorstand des Ortsbündnisses ›Hardtwald‹ (Rhein-Neckar-Kreis) jedoch meinen Antrag ohne Begründung abgelehnt [hat].«

Begrüßt vom AfD-Bundesverband, abgelehnt vom Ortsverein: Dr. Malte Kaumfann (Bild: screenshot fb)

Begrüßt vom AfD-Bundesverband, abgelehnt vom Ortsverein: Dr. Malte Kaumfann (Bild: screenshot fb)

Kaufmann ist nicht der einzige Ex-Parteigänger der Konkurrenz, dem derzeit ein scharfer Wind aus der AfD ins Gesicht weht. In den sozialen Medien tobt geradezu eine halböffentliche Debatte der Rechtsdemokraten, wie man mit solchen Überläufern umgehen soll. Während ein Teil der Kommentatoren jeden Neuzugang begrüßt, da er die Partei wachsen lässt und, mitunter zumindest, zusätzliche Qualifikation und Qualität verheißt, lehnen andere derartige »Parteiwechsel-Karrieristen« so vehement ab, dass sie gar einen generellen Aufnahmestopp für von anderen Parteien abwandernde Aufnahmewillige fordern. Die Sorge: Es könnte den Neu-AfDlern nur darum gehen, auf die Schnelle Pöstchen abzustauben. Und der Futterneid ist schließlich in allen politischen Parteien anzutreffen.

Diese Debatte wird schon seit längerem – speziell im Hinblick auf wechselwillige CDU-Mitglieder –  intensiv geführt. So intensiv, dass sogar der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, mitteilen ließ: »Wir wären ja dumm, wenn wir keine konservativen und freiheitlich denkenden Ex-CDU-Leute mehr aufnehmen würden.« Doch gerade der CDU nimmt es so mancher AfDler bitter übel, dass sie die Ausgrenzung der AfD bisher voll mitgetragen hat, obwohl die SPD beispielsweise neben den Grünen sogar mit der SED-Ersatzorganisation Kooperationen eingehen will. Die Entscheidung der CDU, etwa in Baden-Württemberg, sich statt einer Zusammenarbeit im bürgerlichen Lager lieber als Juniorpartner den Grünen anzudienen, wird an der Basis längst nicht von jedem verstanden. Wenn man von Karrieristen wie dem jetzigen Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), absieht, der als Schwiegersohn von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble naturgemäß zu den schärfsten Widersachern der AfD zählt, hält sich die Begeisterung über politische Experimente mit linken Parteien in Grenzen. Die Folge: Nicht nur gehäufte Parteiaustritte bei der CDU. Auch sprießen derzeit in zahlreichen Regionen »Konservative Kreise« in der CDU wie Pilze aus dem Waldboden, die darauf drängen, das konservative Profil der Union zu bewahren. Solche Versuche gab es zwar schon häufiger (CKDF, Aktion Linkstrend stoppen, Berliner Kreis), doch bislang konnte die Union solchen Absichten immer mit dem Argument entgegen treten, dass sie ja von rechts von niemandem unter Druck gesetzt werde.

Das ist seit dem Triumphzug der AfD vorbei. Seitdem wissen auch CDUler – wie einst SPDler – was es heißt, Federn lassen zu müssen, wenn man sich vom Grundkern der politischen Verortung zu weit entfernt. Anders als die SPD, die sich erst rot-grünen, und nun sogar Linksfront-Bündnissen  unter Einschluss der Linkspartei öffnete, weigert sich die CDU strikt, auch nur Korrekturen am eigenen Kurs zu debattieren, geschweige denn, sich Bündnisoptionen zu öffnen. Diese Sturköpfigkeit – gekrönt von der neuen Spitzenkandidatur Angela Merkels – hat die Umfrageergebnisse der AfD sprunghaft befördert: Nach 14 bis 16 Prozent Zustimmung im Bund, schnellen in einzelnen Bundesländern die Ergebnisse bei den Befragungen auf 22 bis 25 Prozent. Und das, wo sich derzeit nicht nur sämtliche Massen- und Staatsmedien auf einer Art medialem Kreuzzug gegen die AfD befinden, sondern auch eine an die »DDR«-Einheitsfront erinnernde Phalanx aus Gewerkschaftlern, Kirchen und Kulturschaffenden in die Verdammung der neuen Volkspartei einstimmen. Selbst regionale Verbrüderungen mit dem linksextremen Sektor sind zu beobachten, aus dem heraus schon seit geraumer Zeit organisierte und wiederholte Gewaltausschreitungen gegen AfD-Mitglieder gesteuert werden. Sachbeschädigungen wie Farb- und Brandanschläge finden sich darunter genauso wie Angriffe gegen die körperliche Unversehrtheit, Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungstatbestände und Angriffe mit Waffengewalt. Das Schweigen der Etablierten gegenüber solchen verbrecherischen Bestrebungen bei gleichzeitiger Skandalisierung von Einzeläußerungen aus der AfD hat ein solches Missverhältnis erreicht, dass selbst AfD-kritische Kreise nicht mehr umhinkommen, ihr Respekt zu zollen, wie langmütig sie diese Schikanen und die teils offene, teils klammheimliche Tolerierung durch das Establishment erträgt.

Kein Wunder also, dass Teile der AfD jetzt, wo sie sich trotz allem gegen eine solche große und unfaire Gegnerschaft behaupten kann, keinen Anlass sehen, sich zu jenen zu gesellen, die bis vor kurzem noch als Mitglieder von Gruppierungen aktiv waren, die Teil der Verleumdungs- und Bekämpfungsstrategie gewesen sind.

Bei allem Verständnis für die Bitterkeit, die gerade jene mit sich herumtragen müssen, die schon seit geraumer Zeit in der AfD sind, alle Höhen und Tiefen – vor allem die Tiefen – mitgemacht haben, die nicht selten vom politischen Gegner und seinen medialen Verbündeten initiiert und angefeuert wurden: Die Wagenburg-Mentalität ist keine zukunftsträchtige Haltung. Sicher schmälert es die Erfolgsaussichten für den einzelnen, wenn neue (innerparteiliche) Konkurrenten um Positionen und Parlamentssitze auftauchen. Wo dies womöglich auch noch erfahrene und eloquente Persönlichkeiten sind, die so manchen Provinzdarsteller an die Wand spielen können, sinkt die Aussicht auf einen »Lohn« für die harten Zeiten quasi ins Perspektivlose.

Man muss eben wissen, dass die Verhältnisse in einer politischen Partei selten »gerecht« sind. Man kann ebensowenig darauf bauen, dass Verdienste honoriert werden, oder nur der Fleißigste zum Zuge kommt. Regelrechter Undank, wenn statt dem Treuen und Tapferen dem Seiteneinsteiger und Wankelmütigen der Vorzug gegeben wird, gehört vielmehr zum Tagesgeschäft. Weil eine politische Partei nicht von Freundschaften und individuellen Loyalitäten, sondern von Zweckmäßigkeiten und dem Nutzen für die Gesamtheit profitiert. Das erzeugt in denen, die ihren Beitrag geleistet haben, und zur Partei standen, als sich andere noch abseits hielten, natürlich persönlichen Grell. Eine kluge Parteiführung wird daher darauf bedacht sein müssen, Loyalität zu honorieren – was allerdings nicht in jedem Fall dann mit einem Parlamentssitz erfolgen kann, vor allem, weil gerade diese sich am aller wenigsten dazu eignen, als Dank vergeben, denn nach Sachinteresse belegt zu werden.

Wem das nicht gefällt – Nun, der hätte sich vielleicht eine andere Betätigung suchen sollen, als gerade die in einer politischen Partei. Wem es um das Sachinteresse geht, der sollte sich stattdessen darüber freuen, wenn etablierte Parteien weitere, vor allem fähige und engagierte Mitglieder verlieren und sie ihre Energie zukünftig in die AfD investieren. Nicht jeder ist eben zum politischen Spitzenpersonal geeignet. Und auf hoher See, in einem Gerichtssaal und in einer Partei-Aufstellungsversammlung liegt letztlich doch alles in Gottes Hand.

  1. binasa

    26. Juni 2017 at 23:13

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  2. binasa

    9. Juli 2017 at 1:32

    In the complete version there a 9 different worlds, each world has 9 different levels. Try this! He has two faces east and west, compare two faces from the app.

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