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Schweinejournalismus pur

Von DS am 2. November 2015

Die »Rheinische Post« setzt neue Maßstäbe bei der politischen Verleumdung.

DÜSSELDORF (nmj) – Die Schlagzeile auf der Titelseite klingt bereits dramatisch: »AfD: Notfalls auf Flüchtlinge schießen« titelt die RP via ihres Mantelteils in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom heutigen Tage. Die Empörung ist damit vorprogrammiert. Jetzt, so insinuiert die Überschrift, haben die rechten Biedermänner und Brandstifter die demokratische Maske fallen lassen und zeigen, wie dann ja auch der Grünen-Chef in NRW, Sven Lehmann, sogleich bereitwillig sekundiert »ihre offene rechte Fratze«. Was war passiert?

Leitartikel des umstrittenen RP-Chefredakteurs Michael Bröcker (Foto: screenshot presseportal

Leitartikel des umstrittenen RP-Chefredakteurs Michael Bröcker (Foto: screenshot presseportal

Marcus Pretzell, NRW-Vorsitzender der AfD und Europaabgeordneter, hatte sich dahingehend geäußert, dass die Verteidigung der deutschen Grenze mit Waffengewalt »als Ultima Ratio eine Selbstverständlichkeit [ist]“.  Sogleich erhob sich ein Protest bei den einschlägig bekannten Scharfmachern der Republik, die nach dem Verfassungsschutz riefen (SPD-Vize Ralf Stegner) oder die AfD mal eben mit der NPD gleichsetzten (RP-Chefredakteur Michael Bröcker). Zweckmäßig ist es da, zu unterschlagen, dass die Ausgangslage gegenüber dem so gescholtenen AfD-Politiker die Frage war, wie der Bundesgrenzschutz reagieren sollte, sofern es zu einem Versuch käme, die deutschen Landesgrenzen gewaltsam zu überrennen. Nun dürfte diese Frage wohl von allen Ländern auf der Welt, welche Grenzposten unterhalten, gleich beantwortet werden: Wenn die Landesgrenze gewaltsam gestürmt würde, dürften sich die Grenzposten als letztes Mittel (»Ultima Ratio«) auch mit Waffengewalt verteidigen. So weit, so unspektakulär.

Auch die Medienmächtigen in Deutschland  dürften von dieser Praxis schon gehört oder sich mitunter schonmal die Frage gestellt haben, warum Zoll- oder Grenzschutzbeamte überhaupt mit Schußwaffen ausgerüstet sind? Und dass die (Selbst-)Verteidigungsvorschriften im deutschen Polizeirecht nun aufgehoben seien, wenn es um Personen geht, die als Flüchtlinge auftreten, wäre neu. Mit anderen Worten: Die Selbstverständlichkeit, von der Marcus Pretzell sprach, ist auch eine solche. Und wenn Personen, seien es auch Asylanten, mit Gewalttaten gegen Grenzposten angehen, gilt kein anderes Recht.

Dass die Medienmächtigen Pretzell nicht etwa mißverstanden haben, liegt auf der Hand. Zu groß ist offenbar die Versuchung, ihren politischen Herren dadurch zu dienen, die unliebsame Konkurrenz auch mit den Mitteln der Verzerrung und Skandalisierung niederzuschreiben. Die Perfidie, mit der das erfolgt, lässt jedoch aufhorchen. Sind die Etablierten schon dermaßen verzweifelt, dass nur noch Pseudojournalismus und Haß-Nachrichten weiterhelfen? »Wer jetzt noch AfD wählt, kann keine Entschuldigung mehr vorweisen«, trommelfeuert RP-Chefredakteur Bröcker am Ende seines Leitartikels. Und dabei weiß er nur zu genau, dass eine halbseidene Information als Stimmungsmache daherkommt.

Um das Potential an Infamie zu erfassen, braucht man sich nur eines Beispiels zu vergegenwärtigen, wie man etwa die Schlagzeile »Bröcker will Nonne mit Kalaschnikow abschießen« produzieren könnte, um den RP-Chefredakteur vor aller Welt unmöglich zu machen. Man müsste ihm nämlich nur die Frage stellen, was er tun würde, wenn eine plötzlich geistesgestörte Nonne ein Kleinkind anfallen würde, und im Begriff wäre, dieses zu erwürgen, und er, Bröcker, stünde mit einer Kalaschnikow in Schußnähe. Spinnen wir dieses Beispiel weiter: Bröcker ist zu weit entfernt, um persönlich einzugreifen. Das Kleinkind ist kurz vor dem Erstickungstod. Bröcker hat also nur noch die Wahl, die Schußwaffe gegen die Nonne einzusetzen, oder den Tod des Kleinkinds in Kauf zu nehmen. Was würde er tun?

Zweifellos würde Bröcker tun, was jeder vernünftige und von Mitempfinden geprägte Mensch täte, nämlich den Tod des unschuldigen Kindes als »Ultima Ratio« mit Waffengewalt verhindern. Er würde also die Nonne mit der Kalaschnikow abschießen. Und schon könnte eine widerliche Journaille triumphierend ihre Schlagzeile bringen. Aus dem Kontext gezogen, kann eben selbst aus einer Heldentat noch eine Art Nonnenschändung konstruiert werden.

Das weiß Bröcker, das wissen seine Redaktionskollegen, das weiß vielleicht auch noch der helle Teil des Publikums. Viele aber wissen es nicht. Sie konsumieren Nachrichten wie Tatsachen. Kontextlos konsumieren sie damit Halb- oder gar Unwahrheiten. Und man hat den Eindruck, genau das sei auch die Absicht der RP-Chefredaktion und anderer Nachrichtenjongleure gewesen. Das aber ist Hetze und Desinformation. Es manipuliert die Meinungsbildung, statt sie zu fördern. Wer jetzt noch RP liest, kann keine Entschuldigung mehr vorweisen.

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