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Netzdebatte über »tagesschau« auf Arabisch

Von DS am 17. November 2015

Das Angebot der ARD, die Nachrichten der »tagesschau« auch auf Arabisch zu präsentieren, führt vielfach zu Häme und Unverständnis.

HAMBURG (nmj) – Dass eine der Hauptaufgaben der vielfach gepriesenen Integrationsbemühungen in dem Erlernen der deutschen Sprache besteht, wird eigentlich von seriöser Seite nicht infrage gestellt. Dass man sich im Alltag mit den Menschen in Deutschland – üblicherweise auf Deutsch – verständigen, aber auch den Nachrichtenthemen folgen können sollte, ist dabei ein vorrangiges Ziel. Zumindest letzteres ist jetzt aber nicht mehr nötig, denn die ARD bietet nun auch an, die wichtigsten Nachrichten auf Arabisch zu präsentieren. Nicht jeder ist davon begeistert.

"tagesschau" auf Arabisch: Unverständnis und Häme (Bild: screenshot ARD)

„tagesschau“ auf Arabisch: Unverständnis und Häme (Bild: screenshot ARD)

Der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky bringt es auf den Punkt: »Die ARD-Tagesschau-Zusammenfassung nun auch auf arabisch. Und da sage noch einer, die Deutschen würden sich nicht integrieren wollen«. Was einige Netzkommentatoren für Satire halten, ist jedoch bundesdeutsche Realität. In wie weit deutsche Medien für Flüchtlinge überhaupt relevant sind, steht aber auf einem anderen Blatt. Entsprechend kritisch äußerte sich kürzlich n-tv-Reporter Constantin Schreiber, der das Magazin »Marhaba« präsentiert: »Die jungen Männer, die zu uns kommen, konsumieren auch weiterhin ihre arabischen Medien. Die, die sie von daheim kennen. Die Integration von Türken war ja in Bezug auf den Konsum klassischer deutscher Medien auch nicht unbedingt ein Erfolg. Ein Großteil der Türken ist medial immer noch nicht hier angekommen. So etwas ist einfach eine Aufgabe von Jahrzehnten«.

Nun vergibt sich ein Multimilliarden-Medienkonzern nichts, wenn er auch Sparten eröffnet für die Zugewanderten; dann wäre es aber im Sinne der Integration besser gewesen, arabische Untertitel zu bringen, statt die Programmgestaltung gleich auf Arabisch vorzunehmen. Erneut eröffnet die Staatsadministration damit den Fragenreigen, wer sich eigentlich wo integrieren soll? Die Zugewanderten hier – oder die indigene Bevölkerung in die Kultur und Sprache der Neuankömmlinge? Das Versagen der politischen und medialen Elite bei der Mammutaufgabe einer friedlichen Eingliederung von Millionen – eine selbstgestellte Aufgabe, an der man immer wieder selbst scheitert –, wird einmal mehr offenkundig. Aber wie soll auch eine Gesellschaftsführung, deren Leben und Wirken seit Jahrzehnten von einem Mißtrauen, teils sogar von offener Ablehnung gegenüber dem eigenen Staat, der eigenen Nation geprägt ist, eine integrationsfreudige Atmosphäre schaffen? Ein Eisverkäufer, der mit miesepetrigem Gesicht immer wieder davon spricht, wie schlecht doch seine eigene Ware schmecke, wird kaum die Kundschaft überzeugen können, bei ihm zu kaufen. Und eine Polit- und Medienleitung, die nur von (Neo-)Nazi-Paranoia getrieben ist, erzeugt genauso eine abstoßende Wirkung bei den Zuwanderern. Das Problem ist also nicht nur eine 100-Sekunden –Zusammenfassung auf Arabisch, sondern das, wofür sie sinnbildlich steht: Die totale Unfähigkeit der von 68er-Ideologen durchsetzten Führungsschicht, unser Land so aufzustellen, dass es auch Integrations-Attraktivität ausstrahlt. Daraus folgt, dass auch mit einer Absetzung des arabischen Sendebeitrages nichts gewonnen wäre; hier hilft nur eine Absetzung der Programmverantwortlichen selbst.

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