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Eklat um Jüdische Gemeinde

Von DS am 4. September 2015

Der Verwaltungsdirektor der Düsseldorfer Jüdischen Gemeinde vergreift sich im Ton.

DÜSSELDORF (nmj) – Im Streit um die angemessene Form der Erinnerung an die NS-Verfolgung hat sich der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei—Heise, jetzt gegenüber Mitarbeitern der Hochschule Düsseldorf im Ton vergriffen.

Vorausgegangen waren Bedenken von Bibliotheks-Mitarbeitern, die von der Absicht wenig begeistert sind, Original-Viehtröge aus der NS-Zeit aufzustellen, in denen jüdische Familien vor der Deportation ihre Kinder wuschen. Hochschulsprecherin Simone Fischer: »Der Ballast der Geschichte ist für einige Menschen emotional schwierig, wenn er täglich präsent ist«. Das Denkmal soll auf dem ehemaligen Schlösser-Areal in Derendorf errichtet werden, wo derzeit für 254 Millionen EUR der Neubau der Hochschule Düsseldorf entsteht. Im kernsanierten ehemaligen Schlachthof sollen Bibliothek, IT-Abteilung und ein Erinnerungs- und Gedenkort untergebracht werden.

Darum geht es: Viehtröge, die zur NS-Zeit als Waschgelegenheit dienten. (Foto: Hochschule)

Darum geht es: Viehtröge, die zur NS-Zeit als Waschgelegenheit dienten. (Foto: Hochschule)

Für die seelischen Befindlichkeiten der Hochschul-Mitarbeiter hat jedoch Szentei-Heise kein Verständnis: »Man kann die Entscheidung nicht vom mimosenhaften Gebaren einiger Mitarbeiter abhängig machen«, so Szentei-Heise rüde. Auch habe er ein Problem damit wenn »die Enkel der Täter jetzt Mitgefühl einfordern, das man den Juden damals auch nicht entgegenbrachte«.

»Mit einer solchen Sippenhaft-Gesinnung könnte man auch fordern, die Enkel der Täter ins Gas zu schicken, das hat man schließlich mit den Juden damals auch gemacht«, kritisiert Verena Aschdendonk vom Bündnis Versöhnung (BüVe). Es sei nicht nur unsensibel, der Enkelgeneration das Recht auf Würde und Empfindung zu bestreiten, es träfe teilweise auch Enkel, deren Eltern und Großeltern selbst Migranten bzw. Flüchtlinge gewesen seien. Michael Sattelmaier von der Hochschulgruppe Flüchtlingshilfe ist über die Wortwahl des Verwaltungsdirektors der Jüdischen Gemeinde »schockiert«. Denn diese atme »Hass und Verachtung für Unbeteiligte«. Kollektivurteile über ganze Generationen seien »von einem Geist geprägt, den wir im Europa der Gegenwart eigentlich überwunden haben sollten«. Er forderte, dass sich Szentei-Heise für diesen »verbalen Mißgriff« bei den Mitarbeitern der Hochschule entschuldigen möge. FDP-Senior Burkhard Hirsch dagegen verteidigte den rauen Ton von Szentei-Heise: Man dürfe nicht zulassen, dass die Ereignisse von damals vergessen würden.

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