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Hat der Osterhase was vergessen?

Von DS am 19. April 2015

Ein Kunstprojekt von Mister Mondän in der Kaarster Stadtmitte regt zum Nachdenken an.

KAARST (nmj) – Wer dieser Tage einen Kaffee trinkt im Bistro Papala Pub entdeckt vielleicht erst auf den zweiten Blick die neueste Kunst-Installation von Star-Künstler Mister Mondän, alias Frank Jülich.

Erst auf den zweiten Blick erkennbar: "Der Eierdieb", Kunstprojekt von Star-Künstler Mister Mondän.

Erst auf den zweiten Blick erkennbar: „Der Eierdieb“, Kunstprojekt von Star-Künstler Mister Mondän.

Unter der Treppenkonstellation in einem Verschlag entdeckt der erstaunte Gast einen Stall mit der Aufschrift »Stop-Mr.Mondän-Eier«. Also hat nicht der Osterhase etwas vergessen, sondern das Multitalent einen Hühnerstall errichtet – mit lebendigen Hühnern, die, wie ein Tierschutzexperte versichert, »artgerecht vorbildlich gehalten werden«.

Liebevoll errichtet und signiert: Das Stall-Projekt.

Liebevoll errichtet und signiert: Das Stall-Projekt.

Aber es geht nicht nur um frische Eier zum Frühstück. Wer Mister Mondän kennt, weiß, dass seinen Installationen und Werken immer auch eine sensible Botschaft innewohnt. Das zumindest bestätigt der Kunstkritiker Werner Kurzner, mit dem wir gesprochen haben:

?Zwei Hühner in einem Stall, schön und gut. Ist das denn schon Kunst?

Kurzner: »Kunst liegt ja immer im Auge des Betrachters. Aber auch simple Gemüter mit einem eher traditionalistischen Kunstverständnis werden im Werk ›Der Eierdieb‹ eine ganze Fülle von ästhetisch Anmutigem entdecken.«

?Zum Beispiel?

Kurzner: »Zum Beispiel die angedeutete Asymmetrie des Verhaus, die man leicht als Sinnbild für eine – gegebenenfalls unsere – aus den Fugen geratene Welt verstehen kann. Dann deren schwungvolle Einfassung, die zweifellos für die Zwänge und Grenzen unserer Gesellschaft steht oder auch das Unergründliche, das sich dem Betrachter auch bei näherem Herantreten nicht vollständig erschließt – alles das sind doch Metaphern für eine Gesellschaftskritik, wie sie nur die Kunst seriös transportieren und kommunizieren kann.«

?Und das Stroh? Wofür steht das? Vielleicht dafür, dass wir uns gerne warm betten wollen…?

Kurzner: »Das wäre wohl ein wenig simpel und einem Ausnahme-Genie wie Mister Mondän nicht würdig. Nein, für mich ist das eine Anklage gegen die Attitüde des Mammons. Das ewige Streben nach Materiellem. Das Stroh ist das Kapital, dem wir alle ständig hinterherlaufen. Die Hühner wandeln über das Stroh, wie der gegenwartsgeplagte Mensch auf dem Asphalt der Konsumgesellschaft: Blindes Tappsen, fahrige Suche nach den billigen Linsen, die von den Tellern der Großkopferten fallen, das ist Fluch und Schicksal der Menschheit zugleich.«

?Ist denn die Form der Präsentation – so öffentlich, in einem Café – Ihrer Meinung nach angemessen?

Kurzner: »Angemessen? Sie ist, wie ich meine, alternativlos und zwingend! Kunst soll – und muss – oft auch schockieren. Kunst ohne Botschaft ist entleertes Tun und Denken. Nein, genau dort, wo man sich gemütlich hinsetzt und abschalten will, wo man seinen Gedanken nachhängen möchte, bei einem Kaffee, genau dort überfällt einen geradezu das Motiv des Künstlers, wirkt für manchen sogar störend oder verstörend. Angemessener kann man Kunst gar nicht präsentieren!«

?Letzte Frage: Haben Sie den Künstler denn selbst gesprochen? Können Sie ausschließen, dass es einfach nur um frische Frühstückseier geht?

Kurzner: »Ich rede nie mit Künstlern. Das birgt immer die Gefahr der Desillusionierung. Höchstens nachdem ich mir selbst ein Bild gemacht habe. Aber zu Ihrer Frage: Ja, selbstverständlich kann ich eine lediglich profane Zweckbestimmung ausschließen. Schon die Frage ist lächerlich. Mister Mondän wurde gerade erst zu den 10 beliebtesten Künstlern des Niederrheins gekürt, man kann also sagen, dass alles an ihm und um ihn herum automatisch künstlerisch intendiert ist. Der Mann ist doch schon für sich genommen ein Gesamtkunstwerk!«

Besten Dank für das Gespräch, Herr Kurzner

Interview: Dirk Sekur

Sinnbild für unsere "aus den Fugen geratene Welt"?

Sinnbild für unsere „aus den Fugen geratene Welt“?

  1. semi

    19. April 2015 at 20:59

    Nun ja…Kunst ist bekanntlich ein weites Feld. Aber warum der Star-Künstler sein Werk dann „Der Eierdieb“ nennt, erschließt sich zum einen nicht unmittelbar, und zum anderen ist das auch etwas irritierend, heißt doch eine bekannte Skulputur im Neusser Stadtgarten genau so…Oder ist dieses beabsichtigt?

  2. derderallesweiss

    20. April 2015 at 5:50

    Künstler?
    Ja ein Krimineller.

  3. kaarster04

    20. April 2015 at 10:05

    Kann der, der alles weiß, das auch präzisieren oder ist das nur besoffene Internettrollerei???

  4. holzbuettgener

    20. April 2015 at 14:21

    Nee,die zwei kennen sich und mögen sich nicht,wobei das mit dem „Kriminellen“ schon etwas starker Tobak ist , ich vermute nämlich zu wissen,wer der alleswisser ist,aber das gehört nun wirklich nicht hierher.

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