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Häßlich, gräßlich, provinziell

Von DS am 7. November 2014

Die Kaarster Kulturlandschaft hat trotz ihrer immer wieder zur Schau getragenen Affektivität hauptsächlich Rudimente ästhetischer Expressionen zu bieten.

KAARST (nmj) – Wenn vom Kuratorium der Sparkassenstiftung, in dem sich nur durch zufälliges Glück künstlerischer Sachverstand assembliert, zur Präsentation des neuen Kunstkalenders geladen wird, dann erlebt Kaarst wohl schon das Höchste dessen, was die Provinzialität wenigstens als Alibi für die in Wirklichkeit nicht vorhandene Klasse kulturschöpferischen Geistes prätendieren kann.

Die bestenfalls naiv inspirierte Kunstauffassung, in ständiger Herausforderung mit der blanken Ignoranz von Leben und Wirklichkeit in einem existentiellen Sinne – die ja nur von Generationen über Jahrhunderte hinweg als auslösendes Moment echter Schaffenskraft perpetuiert wurde –, antichambriert gegen die in einer manifesten Groteske offenbar werdende Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Anspruch und Resümee, Wollen und Können. Und die gezeigten Ergebnisse insuffizienten Ausdrucks bestimmen daher auch heuer wieder – mit ganz wenigen Ausnahmen –, das Gros. Eine dieser Ausnahmen

Unwetter I (Uli Fern)

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lässt wenigstens erahnen, dass zwischen Bild und Künstler etwas anderes als Fremdheit und Unerklärbarkeit geherrscht haben müssen, soweit zu konstatieren ist, dass durch das durch das Gewölk Durchscheinende eine Jenseitigkeit behauptet wird, die von anderem als von Zufälligkeit inspiriert war. Den Betrachter jedenfalls spricht hier dann doch wenigstens transzendent eine Ebene metaphysischer Immanenz an, deren Erklärbarkeitsraum in eine Offerte auch parallel, ja koexistent möglicher Phantasmen und Paradigmen mündet.

Wenn nicht eine matschige Kleisterei wie

Rügen V (Uli Fern)

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von demselben Künstler so unausräumbare Zweifel an der Seriosität der Botschaften aufkommen ließe, wäre das nach Offenbarung dürstende Gemüt schon an dieser Stelle mit allem weiteren durch. Aber nein, es ist ja da, dieses Rügen-Bild, prall-aufdringlich, kreischend-bunt, ungefähr-nichtsfragend, dass man nicht übel Lust verspürte, wenn nicht gleich zur Pechfackel, dann doch zum Pinsel zu greifen und auszubessern, hinzuzufügen, Sinn zu geben. Anders als ratlos lässt einen Rügen V aber nicht zurück.

Mit einer regelrechten Unverfrorenheit in Gestalt von

Federleicht (Beate Palmen)

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setzt sich die künstlerische Häme einem dies aber in der Regel auch nicht besser verdienenden Publikum fort. Die Infantilität der Farbgebung zerrt schon beim ersten Blick an den Synapsen eines auch nur grobschlächtig sensibilisierten Empfindungscharakters. Wo Asymmetrie imstande wäre soviel Grundaussage zu geben, verwischt sich diese vorliegend durch eine dreiste Dekompensation von Hinter- und Vordergründigkeit zu einem blassen Konstrukt eines ins Nichts übergehen zu scheinenden Stillebens, angedeutet, unfertig, intransparent. Der Impuls, das Werk umzudrehen, um ihm seine eigentliche Bestimmung zu geben, drängt sich unwiderruflich auf.

Mit einem weiteren Rätsel sehen wir uns bei

Farbenspiele der Natur II (Ursula Ringes-Schages)

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konfrontiert. Was da spielen soll, erschließt sich auch nach mehrfachem Hinsehen nicht, die Natur, wie der Titel vermuten lässt, ist es sicher nicht, es sei denn, man wollte dieselbe auf den Kopf stellen und etwa der nur als Nachthimmel legitimen Assoziation am unteren Bildrand damit eine konträre Sinnhaftigkeit verleihen. Am ehesten noch sympathisch wirkt denn auch die Wut der Künstlerin, die sich in den schmerzhaften Bruchlinien der Farbübergänge äußert, wobei es aber die Farben sind, die mit ihrer betonten Gelassenheit so gar nicht zur vermuteten Aufwallung passen wollen.

In dieselbe Kategorie von Seichtheit fällt auch

Meeresrauschen (Erika Jörgenshaus)

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dessen Pastellansatz schon eine impertinente Zumutung von Negation und Weltenblindheit darstellt, für den es gute Gründe geben mag, wenn man sich einmal abgefunden hat mit der Kunstauffasung, dass es genüge, die Lebenszeit seiner Mitmenschen damit zu vergeuden, ihnen nur nicht zuviel abzuverlangen. Die Widerstandslosigkeit, mit der sich das Bild betrachten lässt, erzeugt aber keine Ruhe, Harmonie oder Gelassenheit, sondern Verstörung, Fragwürdigkeit und Wut. Scheren sollte man außerhalb der Reichweite von Betrachtern des Werkes aufbewahren.

Etwas versöhnlicher dagegen stimmt den Kritiker

Westwind (Erika Jörgenshaus)

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von derselben Künstlerin, die zwar auch hier nicht davon lassen will, dem Betrachter gleich wieder die volle Paillette möglichst sanft angestimmter Farben auf seine wunde Empfindsamkeit zu legen, hier aber wenigstens in einer schonungslosen Abkehr von Geradlinigkeit Bewegung durch Aförmigkeit in den Vordergrund stellt und mit der Wuchtigkeit des Objekts zumindest etwas von jener Härte und Unnachgiebigkeit spüren lässt, die die Naturkraft– nicht nur im gegenständlichen Werk – erzeugen kann.

Leider zeigt aber auch die Serie

Meeresimpressionen I – IV (Erika Jörgenshaus)

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derselben Künstlernatur, dass eine clowneske Bebuntung von Staffeleimaterial nicht den Funken anrührender Seelenhaftigkeit ersetzt, ohne den sich nichts erschließen will, was über den Augenblick von Bildwechselhaftigkeit vor unserem Angesicht hinausgeht.

Nur einmal dann geschieht in dieser ganzen Lümmelhaftigkeit von Kunstbehauptung dann doch etwas, das den Kritiker davon abhält, sich einen Brieföffner durchs Herz zu stechen, als ihm mit

Existentieller Tropfen (rot)

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eine wahre Kaskade von Erhellungsmomenten trifft, unmittelbar, berührend, vielschichtig, anmutig, tiefsinnig und explosiv. Hier gelingt es dem Künstler als einzige, die Ästhetik überhaupt in den Mund nehmen dürfende Weise, die Symbiose aus Gehalt und Interpretationsrahmen in schier unglaublicher Schlichtheit zu exaltieren, die aber auch zugleich eine Vielschichtigkeit kreiert, über die man in Tränen ausbrechen möchte, angesichts der angedeuteten Vergänglichkeit. Kein Wunder, dass der Künstler – der übrigens anonym bleiben möchte – mit „unverkäuflich“ nicht nur ein statement sui generis verbindet, sondern sich durch die Enthebung aus Kommerzialität auch in einer grundsätzlichen Dimension äußert.

 FAZIT:

Einmal mehr zeigt sich, dass der Jammer über den insgesamt nur Verzweiflung begründenden Zustand von Kunst und Kultur im Großraum Kaarst zwar vollauf berechtigt ist, dass einem aber auch immer wieder zwischen der Redundanz und dem ästhetischen Nihilismus wahre Schätze ganz unerhörter Art begegnen, die nicht hoch genug gepriesen werden können, weil ein einziges Stück von ihnen die Integrationskraft entfaltet, einen ganzen Landstrich, Epochen, Ären mit dem kritischen Geist zu versöhnen.

Zahlreiche Kunst- und Kulturfreunde fanden sich am 04.11. in der Sparkasse ein, um der Präsentation des Kunstkalenders "Faszination Natur" beizuwohnen.

Zahlreiche Kunst- und Kulturfreunde fanden sich am 04.11. in der Sparkasse ein, um der Präsentation des Kunstkalenders „Faszination Natur“ beizuwohnen.

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