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Frau Merkels Suche nach Geschichte

Von DS am 21. August 2015

Was bleibt dereinst für die Geschichtsbücher?

Ein Zwischenruf von WERNER KURZNER

 

Helmut Kohl hat ihn, Willy Brandt hat ihn, selbst Gerhard Schröder hat ihn – oder kann ihn zumindest für sich reklamieren: Den Platz in den Geschichtsbüchern, der über eine Randnotiz hinausreicht. Aber was wird dereinst von Angela Merkel bleiben? Ihre Zusicherung an der Seite von Peer Steinbrück, dass die deutschen Spareinlagen sicher seien? Welches sind überhaupt die »bleibenden Erinnerungen« an eine/n deutsche/n Bundeskanzler/in?

Konrad Adenauers Verdienst: Unbestritten; Ludwig Erhard bleibt vor allem wegen seiner Invention der sozialen Marktwirtschaft ein Großer, selbst wenn die Etablierung dieses Wirtschaftsmodells nicht in seine Kanzler-, sondern in die vorherige Ministerzeit fiel. Kiesinger? Nun, abgesehen davon, dass er zumindest mit einer – unverdienten, den Verleumdungen der Stasi geschuldeten und von einer aufmerksamkeitssüchtigen Politaktivistin verbrochenen – Ohrfeige verbandelt bleibt, war er der erste, der eine Große Koalition geführt hat. Brandts ganze Person war und bleibt Geschichte, bis hin zu seinem bloßen Namen. Helmut Schmidts Regierungszeit wird heute teilweise als »glücklos« apostrophiert, dabei zeigt sich seine Bedeutung für dieses Land doch besonders in jenen schweren Stunden des linksextremen RAF-Terrors, der die Systemfrage stellte und der durch den Widerstand, den ein SPD-Kanzler linken Krawallmachern und kommunistischen Soziopathen entgegen setzte, letztlich auf ganzer Linie scheiterte. Auch Helmut Kohl wird, wenn die Zeiten schon lange vorangeschritten sein werden, stets als Kanzler der Einheit glänzen; und Gerhard Schröder? Mit seinem Namen bleiben natürlich die Agenda 2010 und der erste Kriegseinsatz deutscher Soldaten nach Ende des II. Weltkriegs verwoben. Letzteres zeigt, dass es nicht einmal unbedingt positive Ereignisse sein müssen, sondern eben nur bemerkenswerte, die eine/n Kanzler/in im kollektiven Gedächtnis einer Nation belassen.

Also nochmal: Wo sind sie, die staatspolitischen Meriten Angela Merkels? Was man erwähnen muss: Das, was der Bundeskanzlerin gegenwärtig – völlig zurecht übrigens – zugutegehalten wird, nämlich ihr Ansehen in Europa und in der Welt, die tragende Rolle, die sie in souveränem aber auch gemeinschaftlichem Sinne ausübt, ist nicht das, was dereinst erinnerlich sein wird. Man könnte auch sagen: Sie regiert und vertritt Deutschland hervorragend, aber nicht nachhaltig. Mit ihrem Namen ist bislang nichts verbunden, woran sich künftige Generationen mit jenem leichten Schauer erinnern können, den große Zeiten und Persönlichkeiten bei denen zu erzeugen vermögen, die selbst nicht dabei waren. Das mag dem einen oder anderen sogar gefallen. Denn unaufgeregte Ären belegen zumindest die Abwesenheit von Unruhe, Niedergang, Chaos. Aber reicht es, um den fernen Leser zu veranlassen, die sie betreffende, überschlagene Seite im Geschichtsbuch zurück zu blättern?

Man muss nicht an allem kritisieren. Man muss nicht von jedem Kanzler gleich eine epochale Geltung erwarten. Ein Land, das sich in seiner offenbar endlich gefundenen Bestimmung gemütlich eingerichtet hat, selbst im gröbsten Tohuwabohu um es herum bedächtig, rational und unaufgeregt zu bleiben, will vielleicht gar nichts anderes. Nach den heftigen Geschichtsstürmen, die Reich und Volk zuletzt – fast bis zum Untergang – umwoben hatten, ist vielfach ein regelrechter Trotz der Gesellschaft erfahrbar, überhaupt nur irgendwie noch eine Rolle im Weltgeschehen wahrzunehmen; dass Deutschland trotzdem agieren muss, dass es höchstselbst Verantwortung wahrnehmen muss, wo sie sich nicht an Europa weiterdelegieren lässt,  nimmt es nicht freudig, sondern als Bürde wahr. Und da ist sie am Ende dann vielleicht doch, die staatsidentitäre Rolle der Angela Merkel, und die von ihr quasi personifizierte Verabschiedung aus der Etage der Anspruchsnationen, die Eigenes definieren und einfordern. Dass wir uns damit zum Hippie unter den Nationen machen – nur für das Heute leben, nicht an morgen denken –, mag sein. Und dass wir aus diesem Gammeldasein wohl bald auch wieder aufgeschreckt werden, ist sogar wahrscheinlich. Aber genießen wir es doch. Wir haben die richtige Kanzlerin für diese Ära. Alles wird gut. Das Leben ist ein langer Fluß.

Die Kanzlerin (Bild: Ringleb Net Images)

Die Kanzlerin (Bild: Ringleb Net Images)

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