Leaderboard / Super Banner (728 x 90)

Lügenpresse verschweigt Kandidaturen

Von kr am 18. April 2017

Massen- und Staatsmedien sehen sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt, »alternative Fakten« zu produzieren.

KAARST (nmj) – Wenn es nach »den Meinungsforschern« ginge, dürfte der US-Präsident nicht Donald Trump heißen. Dann müsste auch im Saarland eine rot-rot-grüne Regierung bestehen. Oder hätte es den BREXIT nicht gegeben. All diese Ereignisse fanden statt, obwohl »die Meinungsforscher« vorher etwas anderes prognostizierten.

Diese Blamagen nun halten aber gewisse Medien nicht davon ab, ihre Berichterstattung stur daran auszurichten, was die Umfrage-Institute an Erkenntnissen liefern. So auch eine größere Tageszeitung im Rhein-Kreis Neuss, die jetzt unter der Überschrift »Sie kandidieren im Wahlkreis 46« sechs Kandidaten für die Landtagswahl im Mai vorstellte. Schon die Überschrift erweist sich als »Fake News«. Denn in Wirklichkeit sind es nicht nur die dort genannten sechs Kandidaten, sondern tatsächlich acht Kandidaten, die im Wahlkreis 46 antreten. Um den Bluff zu kaschieren, rechtfertigt die Redaktion ihre selektive Auswahl mit einem Hinweis auf die sogenannte »reelle Chance«, die man den genannten Kandidaten zurechnet. Zwei weitere Kandidaten – Markus Wetzler (Piratenpartei) und Thomas Hebben (Zentrumspartei) –, fallen auf diese Art ganz einfach heraus aus der »Berichterstattung«. Dass beide diskriminierten Parteien (Piraten und ZENTRUM) den Umfragen zufolge noch unter 5 Prozent liegen, mag so sein. Beide Parteien waren aber schon einmal bzw. sind immer noch im Düsseldorfer Landtag vertreten. Ihre Kandidaten »unter den Tisch fallen« zu lassen, ist also mindestens präjudiziell, wenn nicht gar manipulativ. Letzteres behaupten Kritiker, die darauf hinweisen, dass »der Zusammenhang zwischen Medienpräsenz und Wahlentscheidung der Bürger von kausaler Bedeutung« sei.

Bei früheren Wahlen verfolgten die maßgeblichen Medien noch die Linie, nur Kandidaten solcher Parteien zu berücksichtigen, die in dem zu wählenden Parlament bereits vertreten sind oder es schon einmal waren. Dieses Prinzip durchbrach der WDR 2012 als erstes Monopolmedium mit der Einladung des Piraten-Spitzenkandidaten in die »Elefantenrunde« vor der Landtagswahl. Dies, und die allgemein wohlwollende Berichterstattung über die Piraten, waren nach Meinung von Wahlexperten das ausschlaggebende Kriterium für den Einzug der Partei in den Landtag.

Bei der diesjährigen Landtagswahl verfolgen Massen- und Staatsmedien nun eine andere Linie. Zu diesem Zweck haben sie das Selektierungsmerkmal der »reellen Chance« erkoren – eine wohl zusammengewürfelte Einschätzung aus Umfrageergebnissen, Selbstwahrnehmung und gefühlsmäßiger Einordnung. Dass all dies mit der vom Gesetz geforderten Chancengleichheit der Parteien nicht mehr viel zu tun hat, liegt auf der Hand.

Benachteiligt von der „Lügenpresse“? Landtagskandidat Thomas Hebben (ZENTRUM).

Dabei ist ja noch verständlich, dass nicht jedes Medium  in jedem Bericht jede der 31 Parteien berücksichtigen kann, die zur Landtagswahl im Mai zugelassen sind. Dass es aber den redaktionellen Rahmen sprengen würde, wenn statt der sechs vorgestellten Direktkandidaten diejenigen acht präsentiert würden, die es auf den Stimmzettel geschafft haben, ist auch nicht nachvollziehbar. Für einige sind neben der »zahlenbasierten Tendenz« ohnehin ganz andere Faktoren ausschlaggebend. Die Zentrumspartei meint etwa, dass es »eine politisch-moralische Bankrotterklärung für den Verantwortungs-Journalismus« sei, wenn eine Partei wie die »Die Linke« als »ganz normale Partei« präsentiert würde, obwohl diese in der Vergangenheit als SED-Staatspartei der »DDR« in Verbrechen gegen die Menschlichkeit verstrickt war. »Das ist also eine ethische Dimension, und da kann sich kein Medium, keine Redaktion darauf zurückziehen, zu sagen, wir bilden ja nur die Realität ab«, so der ZENTRUM-Landesvorsitzende Christian Otte. Denn diese, die Realität, werde durch meinungsbildende Faktoren wie die Massenmedien ganz wesentlich bestimmt. Wer »den Kommunisten eine Werbeplattform gibt, demokratische Mitbewerber aber ausblendet, schafft selbst Realität.« Demokratische Landtagskandidaten ganz zu verschweigen, so als existierten sie gar nicht, sei »nicht nur die Darstellung von ›alternativen Fakten‹, das ist vielmehr die Kreation einer ›alternativen Realität‹, was dann im Vorwurf der ›Lügenpresse‹ gipfelt«, so das Zentrum.

Schreibe einen Kommentar