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»Etwas mehr Strauß und etwas weniger Merkel«

Von kr am 27. Oktober 2016

Der Generalsekretär der Deutschen Zentrumspartei, Christian Otte (45) im Gespräch mit dem Neumarkt Journal.

?Herr Otte, was ist dran an den Gerüchten, dass das Zentrum Donald Trump nach Deutschland holen will?

Otte: »Ganz einfach: Nichts! Es gibt keine entsprechenden Absichten bei uns. Das Ganze ist frei erfunden – ein Internet-Hoax, übrigens genauso wie die Story, dass wir Millionen geerbt haben sollen; Reine Phantasie von Leuten, die offenbar über zuviel Freizeit verfügen.«

US-Präsidentschaftskandidat Donald J. Trump "Auch in Deutschland und Österreich eine beträchtliche Fangemeinde". (Bild: www.donaldjtrump.com)

US-Präsidentschaftskandidat Donald J. Trump „Auch in Deutschland und Österreich eine beträchtliche Fangemeinde“. (Bild: www.donaldjtrump.com)

?Das heisst, Sie haben nicht beim Olympiastadion in München anfragen lassen, es gibt keine Gespräche mit der österreichischen FPÖ und auch das Wahlkampfmanagement von Donald Trump wurde von Ihnen nicht kontaktiert?

Otte: »Das ist der Stand der Dinge.«

?Wie erklären Sie sich dann, dass soviele Leute die Nachricht für bare Münze genommen haben?

Otte: »Dem Gedanken an sich könnte man ja auch etwas abgewinnen. Ich nehme an, dass Mr. Trump auch in Deutschland und Österreich eine beträchtliche Fangemeinde hat. Und es ist ja kein Novum, dass amerikanische Präsidenten schon vor ihrer Wahl auch in Deutschland vorstellig werden.«

ZENTRUM-General Christian Otte "Das Monster Trump existiert nicht".

ZENTRUM-General Christian Otte „Das Monster Trump existiert nicht“.

?Das klingt ja so, als gehörten Sie selbst zu dieser Fangemeinde?

Otte: »Das möchte ich nachdrücklich und aus vollem Herzen bejahen, allerdings.«

?Wie bitte? Ein Trump-Fan? Der Mann ist ein Dinosaurier, ein Sexist, ein Waffen- und Grenzzaun-Fanatiker…das ist unerhört, das ist unerträglich, das ist…

Otte: »…Nun kriegen Sie sich mal wieder ein, ja? Donald Trump ist eine angesehene und respektable Persönlichkeit, mit der für Politiker seltenen Eigenschaft, die Dinge auch mal beim Namen zu nennen. Es ist kein Wunder, dass die Schnappatmungs-Schickeria damit ihre Probleme hat.«

?Trump bringt auch konservative Kreise gegen sich auf, sogar seine eigene Partei steht nicht geschlossen hinter ihm. Die Vorstellung, dass er US-Präsident werden könnte, löst in der halben Welt Entsetzen aus…

Otte: »Schön, dann gehöre ich eben zur anderen Hälfte, die das entspannter sieht. Der Punkt ist doch: Das Monster Trump, das von Medien – gerade auch deutschen Medien – gezeichnet wird, existiert in Wahrheit gar nicht. Auch dies ein reines Phantasieprodukt.«

?Der Mann hat über Jahre keinen Cent Einkommensteuer gezahlt…

Otte: »Prima! Wenn er nach Deutschland kommt, soll er mir unbedingt verraten wie das geht. Ich gehöre auch zu denen, die nicht mehr bezahlen wollen als gesetzlich gefordert.«

?Also diesen Mist höre ich mir nicht weiter an…

Otte: »Ihre Entscheidung. Sie haben um das Gespräch gebeten…«

"Zwischen der Union links und der AfD rechts ist noch jede Menge Platz."

„Zwischen der Union links und der AfD rechts ist noch jede Menge Platz.“

?Sie sind Generalsekretär der ältesten deutschen Partei, das Zentrum hat mehr Regierungschefs gestellt als die CDU, Konrad Adenauer war für die Zentrumspartei Oberbürgermeister der Stadt Köln…Ihre Partei hat sowas wie den Ältestenvorsitz aller deutschen Parteien – verpflichtet das nicht zu einer besonderen Verantwortungsethik…?

Otte: »Eben weil wir diese besondere Verantwortung und Historie mit uns tragen, können die Menschen uns vertrauen. Wir sind ja nicht erst seit gestern da. Platt gesagt: Wenn das Zentrum sagt, Trump ist in Ordnung, dann ist der Mann auch in Ordnung.«

?Ist das vielleicht der Grund dafür, dass das Zentrum heute in keinem Landesparlament, geschweige denn dem Bundestag mehr sitzt?

Otte: »Ich glaube kaum, dass unsere Haltung gegenüber dem vermutlich nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten damit in Zusammenhang steht. Wir sind in den letzten Jahrzehnten stark von der CDU absorbiert worden. Allerdings ist die CDU gerade drauf und dran, sich wieder vom politischen und gesellschaftlichen Mittelstand, eben dem Zentrum, zu entfernen. Die Lücke, die sie dabei lässt, werden wir wieder schließen.«

"Wir sympathisieren eher mit der CSU".

„Wir sympathisieren eher mit der CSU“.

?Ihr Profil beschreiben Sie als „christlich-sozial“ – das klingt CSU-mäßig. Also doch Union, nur in anderem Gewand?

Otte: »Union ist nicht gleich Union. Die Unterschiede zwischen CDU und CSU sind ja zuletzt sehr deutlich geworden. Da sympathisieren wir in der Tat eher mit der CSU. Die gibt es aber nur in Bayern. Wir möchten aber auch für den Rest der Republik etwas mehr Strauß und etwas weniger Merkel.«

?Wird denn der, der mit der Union gebrochen hat, nicht eher zur AfD überlaufen?

Otte: »Zwischen der Union links und der AfD rechts ist noch jede Menge Platz. Hinzu kommt, dass das bürgerliche Spektrum gegenüber dem angedrohten Linksbündnis aus SPD, Grünen und SED einen dritten Partner braucht. Die AfD kann das nicht sein, und will das wohl auch nicht sein.«

?Aber ein Zentrum, das mit Donald Trump sympathisiert, dürfte bei bürgerlichen Parteien vielleicht auch keine Begeisterung auslösen?

Otte: »Wir sind auch nicht dafür da, andere Parteien, sondern die Wählerinnen und Wähler zu begeistern. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass auch das bürgerliche Lager dem 45. US-Präsidenten den Respekt zollen wird, der ihm gebührt.«

?Also doch eine Einladung an Donald Trump?

Otte: »Die Einladung auswärtiger Staatsoberhäupter ist Sache des Auswärtigen Amtes. Dort ist sie auch gut aufgehoben.«

Zentrumspartei: "Mehr Regierungschefs gestellt als die CDU"

Zentrumspartei: „Mehr Regierungschefs gestellt als die CDU“

Das Gespräch führten Stefan Grzesik und Klaus Ringleb (NMJ)

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