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Deutschland, Deutschland über Alles!

Von DS am 26. August 2016

Das Lied der Deutschen feiert 175. Jubiläum – was bei manchem Zeitgenossen Verkrampftheit auslöst.

BERLIN (nmj) – Wie das mit dem kulturellen Erbe eben so ist: Es kann sich nicht gegen die Interpretationen und Umdeutungen später Hinzukommender erwehren; so geht es folglich auch der deutschen Nationalhymne, die es sich etwa gefallen lassen muss, in der heutigen Ausgabe der »Rheinische Post« als lächerlich und kriegsverherrlichend beschimpft zu werden.

Was zu früheren Zeiten – und damit ist nicht das III. Reich gemeint – noch den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hätte, weil die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole formell noch einen Straftatbestand darstellt, gehört im Juste Milieu der Bundesrepublik mittlerweile zum  guten Ton. Angestachelt durch Halb- oder Böswissen, wonach die erste und/oder zweite Strophe des Deutschlandliedes »verboten« sein soll, muss es damit mindestens die Distanzierung, wenn nicht gleich die Besudelung sein. So erschließt sich dann auch, warum der RP-Autor in demselben Artikel eifrig dafür wirbt, auch der Hymne der »DDR« Aufmerksamkeit zu zollen; gar eine »Austauschbarkeit« ihrer Texte und Melodien behauptet der Schreiber, das Symbol eines Unrechtsregimes wie das der SED damit auf eine Stufe mit dem des Rechtsstaates der Bundesrepublik stellend. So weit, so verquer.

Richtig ist, dass die in der 1. Strophe besungenen Grenzen – von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt – das Deutschland in den Grenzen von 1937 meinen. Das aber ist keine rechtsextreme, deutsch-nationalistische Erfindung, wurde diese Grenzziehung doch u.a. auf der Außenministerkonferenz in Moskau 1943 als Stichtag zur Definition der deutschen Reichsgrenzen vor der territorialen Ausdehnung benannt; Im Londoner Protokoll von 1944, auf der »Potsdamer Konferenz« von 1945 sowie in mehreren darauf folgenden Rechtsakten bezogen sich die seinerzeitigen Siegermächte auf dieses Datum, um »Deutschland als Ganzes« in geographischer Hinsicht zu erfassen, was letztlich auch der einhelligen Auffassung unter den Staats- und Völkerrechtlern entsprach.

Das Lied der Deutschen, von A.H. Heinrich Hoffmann v. Fallersleben (Bild: Dritte Strophe, Originalwiedergabe / Ringleb Net Images)

Das Lied der Deutschen, von A.H. Heinrich Hoffmann v. Fallersleben (Bild: Dritte Strophe, Originalwiedergabe / Ringleb Net Images)

Dass das politische, rechts- und staatsphilosophische Erbe eines Landes, das es zulässt, dass mit seinem kulturellen Erbe so nichtswürdig verfahren wird, genauso in Mitleidenschaft gezogen wird, muss nicht erstaunen. Dabei gehört gar nicht mal viel Anstrengung dazu, das historisch-kulturelle Vermächtnis – wie das Deutschland in den Grenzen von 1937 – als lediglich identitätsstiftenden, folkloristischen Nachlass hymnisch zu würdigen, ohne daraus kriegslüsternd politisch-irrationale Revisionsansprüche zu befeuern, die übrigens seit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag ohnehin vom Tisch sind. Wer also meint, das Besingen der alten Reichsgrenzen sei gleichzusetzen mit der Absicht »historische Optionen neu definieren« zu wollen (W. Goertz in der RP vom 26.08.) will vor dem Hintergrund der bundesdeutschen Gegenwartsrealität lediglich Mißtrauen gegen das eigene Land schüren. Und muss sich, zumindest die letzten 20 Jahre, in einer Art Kokon befunden haben, nicht registrierend, dass sich die Gesellschaft da draußen so weit verändert hat, dass es nicht ein »Zuviel« an Identität ist, das als problematisch empfunden werden könnte, sondern eher das genaue Gegenteil. Die Vorherrschaft der allgemein staatsverachtenden und im Besonderen den deutschen Staat verachtenden 68er-Generation, die sogar Gossenparolen wie »Deutschland verrecke!« und »Deutschland, du mieses Stück Scheiße« so hoffähig gemacht hat, dass sogar amtierende Bundestagsvizepräsidentinnen ihnen hinterherlaufen, ist nicht das einzige, wohl aber ein besonders abstoßendes Beispiel dafür, wie sehr Sozialisten und Kommunisten – im Verbund mit ihren medialen Helfershelfern – die Identifikation mit dem Staat bekämpft und erstickt haben – bis hin zur Selbstverleugnung und masochistisch inspirierten Selbstkasteiung.

Kein Wunder also auch, dass die Textsentenz »Deutschland, Deutschland über Alles« unter diesen Umständen von den tonangebenden Kräften in Politik und Medien gewissen-, wie würdelos in einen unerhörten Zusammenhang gebracht wird; das ermunterte subjektive Empfinden, andere Völker zu achten, das eigene aber zu verehren, ist weder ungewöhnlich für Nationalhymnen mit nationalpatriotischem Pathos, noch kann daraus mehr »Imperialismus«, »Eroberungslüsternheit« oder »Revanchismus« herausgelesen werden als in den Staatsliedern anderer Provenienz. Auch hier also muss man mit den Mitteln der Verdächtigung und der Fehl- und Falschinterpretation arbeiten, um noch irgendwie eine Anrüchigkeit zu schaffen.

Der normale, unverwüstliche, ideologisch nicht verblendete Teil des Publikums mag sich an der Nationalhymne – mit allen drei Strophen – weiterhin erfreuen; mehr Mut ist erwünscht, diese auch in der Öffentlichkeit vermehrt wieder ganz zur Anwendung zu bringen. Wer deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und deutschem Sang nichts abzugewinnen vermag, soll weiter fern bleiben. Und auch die herrschende Administration mag bei ihrer dritten Strophe bleiben. Es wäre ja auch nichts so unpassend, als wenn gerade sie zur ersten Strophe zurückkehren wollte.

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