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Das Versagen der Medien

Von kr am 22. November 2016

An dem verheerenden Image der Presse trägt vor allem einer Schuld: Sie selbst.

DÜSSELDORF (nmj) – Es sind keine leichte Zeiten für die Medien: Die Umsätze und Einschaltquoten sind stark rückläufig, der Stellenabbau schreitet voran, das Internet gebiert nahezu täglich neue Konkurrenz und immer mehr Menschen im Lande kennen für den gesamten journalistischen Stand nur noch eine Bezeichnung: Lügenpresse.

Nicht selten fallen einige der Pressezaren und Kommentarkönige wie aus allen Wolken, wenn sie mit der Realität konfrontiert werden. Im Vergleich zu früheren Zeiten, wo sie schalten und walten konnten, wie sie wollten und wo ein kritischer Satz oder auch nur ein zwischen den Zeilen wahrnehmbarer Augenaufschlag über Existenzen entscheiden und Karrieren beenden konnte, ist ihre heutige Bedeutung stark gefallen. Sie sind nur noch einer unter vielen. Einige darunter mit immer noch exorbitantem Einfluss – der auch rücksichtslos wie eh und je behauptet und angewandt wird –, aber eben nicht mehr singuläre Akteure.

Die gewachsene Konkurrenz durch soziale Medien und die Netzpresse hat als erstes für eine große Desavouierung der bisherigen Alleinherrscher im Königreich Medienlandschaft geführt. Durch andere Meinungen, Erhellung von Fakten und Hintergründen und der Bekanntgabe von Verschwiegenem ist die deutsche Medienlandschaft, das heißt Massen- und Staatsmedien, in eine große Glaubwürdigkeitskrise geraten. Und sie hat darauf eher kopf- und verständnislos reagiert, weil sie nicht begreift, was unter »Lügenpresse« von einem größer werdenden Teil des Publikums subsumiert wird.

Der Begriff der Lügenpresse meint nämlich keinesfalls, dass man der Presse blanke Lügen, also erfundene oder komplett  auf den Kopf gestellte Tatsachen vorwerfen würde. Die Kritik richtet sich zum einen darauf, wie apodiktisch die maßgeblichen Medien (durchaus zutreffende) Begebenheiten »einsortieren« und zum anderen darauf, dass es, gerade im politischen Spektrum, quasi nur noch diese eine Lesart gibt, egal ob es jetzt um Trump, AfD, Pegida, um Integration, Flüchtlingskrise oder bestimmte Kriminalitätserscheinungen geht. Es herrscht, trotz der augenscheinlichen Vielfalt von Presseerzeugnissen und Sendekanälen, keine echte Meinungspluralität.

Solange man dem Publikum suggerieren konnte, diese einseitige Wertung in den Massen- und Staatsmedien korrespondiere, mehr oder weniger, mit der öffentlichen Meinung, war die Neigung des einzelnen, sich außerhalb dieser vermeintlichen Meinungseinheit zu stellen, äußerst gering. Erst mit dem Aufkommen von Alternativ-Medien wurde dieses Einheitskartell durchbrochen, gelangten andere Anschauungen an ein größeres Publikum und wurde das hinterfragt, was bis dahin als vermeintlicher common sense behauptet wurde.

Die angemessene Reaktion, um die angeknackste Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und einbrechende Umsatz- und Einschaltquoten einzufangen, wäre nun, die bisherige Haltung einer kritischen Prüfung zu unterziehen, Versäumnisse aufzuholen und auf die Herausforderung der neuen Konkurrenz markttauglich zu antworten. Die Realität sieht anders aus. Nach einer kurzen Schrecksekunde und von Panik angetriebenen Aktionen, rudert die deutsche Medienlandschaft schon wieder zurück, will an alte Hoheitsrechte anknüpfen, verdammt den Andersdenkenden wie eh und je, protegiert die alten Genossen und schert sich keinen Deut um die Verstimmung des Publikums.

Dabei ist, was die Menschen von einem Medium, gerade von Massen- und viel mehr noch von (aus GEZ-Zwangsgeldern üppig alimentierten) Staatsmedien erwarten, weder überzogen noch unerfüllbar. Das Publikum hat auch kein Problem damit, eine Meinung serviert zu bekommen, die im Meinungsspektrum äußerst links verortet wird, und in der deutschen Medienlandschaft vorherrschend anzutreffen ist. Das Publikum hat nur dann ein Problem damit, wenn damit die Darstellung erschöpft ist, wenn andere Meinungen nicht zur Geltung kommen oder in einem steten Verriss enden. Große Teile des Publikums mögen »dumm« sein, wie der linke Medienliebling Herfried Münkler die Tage festzustellen müssen meinte, es hat aber dennoch den Anspruch, sich seine Meinung selbst zu bilden und lehnt die Bevormundung, die teilweise in Manipulation und Indoktrination mündet, ab.

Es geht dabei auch nicht darum, jeder einzelnen Spielart von Meinung unbedingt ein Forum eröffnen zu müssen. Und es gibt auch Meinungen, die so verkorkst sind, dass man sie gar nicht kennenlernen, geschweige denn einem Millionenpublikum servieren will.

Tatsache ist aber, dass die deutschen Massen- und Staatsmedien per saldo inzwischen gegen rund ein Drittel des Publikums ansenden und anschreiben. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage der (SPD-nahen) Friedrich-Ebert-Stiftung belegt dies: Rund 40 Prozent der Bundesbürger sind demnach der Meinung, dass Deutschland durch den Islam unterwandert werde. Repräsentanz dieser Haltung in Massen- und Staatsmedien: Gleich Null. Rund 35 Prozent der Befragten finden auch, dass sich der Staat mehr um die Asylanten als um hilfsbedürftige Deutsche kümmere. (Positive oder zumindest neutrale) Widerspiegelung in den maßgeblichen Medien: Ebenfalls gleich Null. Kein Wunder, dass dann auch noch immerhin 28 Prozent der Deutschen der Auffassung sind, dass man in Deutschland nicht mehr seine Meinung frei äußern kann, ohne Ärger zu bekommen.

Die SPD und ihre medialen Verbündeten kommen angesichts der Ergebnisse dieser Studie zu der (wenig überraschenden) Schlußfolgerung, dass »klassische rechtsextreme Einstellungen« mittlerweile durch »die modernisierte Variante neurechter Einstellungen abgelöst« worden seien. Aha. Alles Nazis, außer Mutti. Alles klar.

Wo ist eine Redaktion von Format, die eine solche Schlussfolgerung auseinandernimmt? Wo ist ein tagesthemen-Kommentar, der die 40 Prozent Islam-Besorgten verteidigt? Wann bringt die BILD-Zeitung mal eine Sympathie-Aktion für benachteiligte Deutsche? Wo im gesamten Bertelsmann-Medien-Imperium findet sich einmal eine seriöse Darstellung über die Schattenseiten der Zuwanderung? Und wann setzen sich TV-Talkrunden bei Anne Will, Maybrit Illner oder Sandra Maischberger einmal anders zusammen als mit dem üblichen linken Übergewicht?

Medienmacht ist Herrschaftsmacht. Aber nur in Deutschland wird dieser Machtfaktor nahezu ausschließlich von der Linken bestimmt. Und wo sich jemand einmal zu weit hervorwagt aus dem Einheitsbrei, muss er, wie der untadelige demokratische Publizist Nicolaus Fest, seinen Hut nehmen. Die Garanten der Demokratie sind ein linker und ein rechter Flügel; den linken stellt niemand in Frage, den rechten quasi jeder. Zumindest jeder in den Machtbastionen des deutschen Journalismus‘. Damit spiegeln sie nicht mehr die Haltung der Gesellschaft wider, sondern wollen diese im Sinne ihrer eigenen Präferenz beeinflussen und manipulieren. Darum ist es gut, dass diese Machtbastionen tüchtig geschliffen wurden. Wenn sie am Ende nicht vollständig lächerlich und verhasst dastehen wollen, wie einst der »DDR«-Rundfunk, werden Massen- und Staatsmedien nicht umhinkommen, auch nicht-linken Meinungen, Personen und Positionen, einen fairen Darstellungsraum zu geben.

Deutsche Presselandschaft: Keine echte Meinungspluralität? (Bild: Ringleb Net Images)

Deutsche Presselandschaft: Keine echte Meinungspluralität? (Bild: Ringleb Net Images)

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